Italienische Convention 2006 am 23.09. in Novi Ligure
(von Birgit Kurth-Mettner
Der diesjährige Herbsturlaub war
schnell geplant. Eine italienische Convention hatte ich noch nie mitgemacht, und
als ich im Mai im Forum von dem Termin im September las, stand das Urlaubsziel
fest: Ligurien.
Nach zwei herrlichen Wochen am Meer
machten mein Mann Reinhard und ich uns am 23.09. auf nach Novi Ligure. Um ca.
16:00 Uhr waren wir am Veranstaltungsort. Etliche Fans waren schon auf dem
Vorplatz und in der Vorhalle versammelt.
Ich kenne ja nur ganz wenige Fans
persönlich und war froh, Manni zu sehen, der zusammen mit Jörg („Whistling
Catfish“) angereist war.
Im Foyer, wo es noch keiner
Eintrittskarte bedurfte, gab Glenn Cornick gerade eine seiner Autogrammstunden.
Glenn ist ein echtes Original mit seinen Shorts um sein Bäuchlein und dem
grellen Peperoni-Stirnband im noch wallenden grauen Langhaar. Er genoss den
Rummel um seine Person und umarmte jeden „Bittsteller“ für’s Fotoalbum.
Ich ließ mir ein Tull-Foto von
1970 signieren, welches ich eigens zu diesem Zweck mitgebracht hatte. Schließlich
waren hier 3/4 des Line-Up von meinem Tull-Einstieg vor 35 Jahren anwesend.
Bald spielten dort in der Vorhalle Silvia Perlini und Gianni
Mocchetti ein kurzes Akustik-Set von Tull-Covers. Das fand ich schon mal
erfreulich, denn ich mag die Cover-Versionen der beiden eigentlich lieber als
die von Beggar’s Farm, weil diese sehr am Original kleben und vielleicht
deshalb so angestrengt klingen.
Den hübschen Andrea Vercesi hatten wir schon verpasst.
Danach traten Lincoln
& Giacomo Lelli auf, die ich mir nicht ansah. Nicht, weil sie mir
nicht gefallen hätten, sondern weil diese Vorhalle ziemlich ungemütlich war.
Nicht einmal um die dort aufgebauten Devotionalien-Stände habe ich mich weiter
gekümmert.
Allerdings als Clive Bunker ankam,
habe ich mich für ein Autogramm von ihm natürlich noch mal reingequetscht (ein
netter Mensch!), während ringsum wieder Digitalkameras gezückt und Alben zum
Signieren ausgepackt wurde.
Später gab es eine kleine
Verlosung. Ich hatte keine Lose gekauft, weil ich sowieso nie etwas gewinne.
Aber Jörg und Manni hatten welche, gewannen aber leider auch nichts (dennoch
war es ein Fortschritt, denn sonst kauft Jörg nach eigener Aussage immer Lose
und verpasst dann die Verlosung).
Danach war erstmal Pizza-Essen im
Städtchen angesagt.
Als wir zurück kamen, war die Haupthalle schon zum Einlass geöffnet. Dort hatte es während unserer Abwesenheit wohl eine offizielle Autogrammstunde aller Musiker gegeben, wie ich erst Tage später im Forum las...
Leider war die gesamte Location
nicht perfekt. Die Akustik war ganz schlecht und die Beleuchtung trotz des
Aufwandes an beweglichen Scheinwerfern etc. auch nicht optimal (Ian stand vorne
auf der Bühne praktisch immer im ‚Schatten’). Das ist aber auch schon
alles, was ich zu bemängeln hätte, sonst war der Abend ein rundum schönes
Erlebnis.
Jeder richtige Tull-Fan - außer
mir - kennt „Wild Turkey“: Glenn Cornick war nun als durchaus ernsthafter
Bassist zu erleben (in langen Hosen).
Während ich mir den Sänger der
Band, Gary Pickford Hopkins, so ansah, dachte ich bei mir, der kann ja nun
wirklich besser singen als Ian, aber er hat gar keine Ausstrahlung.
Schon war ich ein wenig
unaufmerksam geworden, als sie einen „berühmten Schotten“ ankündigten und
merkte erst, als Jörg mir zuraunte: „Wer will DEN schon sehen?“, dass Ian
die Bühne betrat. Er flötete bei einem Titel ein wenig mit; welch ein Glanz
erfüllte nun die kleine Hütte!
Aber nein, das ist ganz ungerecht;
die alten Recken, besonders die beiden Schlagzeuger, John Pugwash Weathers (Ex-Gentle
Giant) + Clive Bunker (!), und der junge Hüpfer an der Gitarre, Brendan
McGrath, gaben eine ganz ordentliche Vorstellung ab (klasse Drum-Solo von
Clive).
Setlist Wild Turkey:*
One sole
surviver
Propaganda
Soldier Boy
Catalan Lullaby
See you next Tuesday
Snakewalk (incl. Glenn's Bass-Solo)
Tomorrow's Friend
St. Catherine's Bells
You & me in the jungle (featuring Jungle Dreams)(incl.
Clive's Drum-Solo)
The Street
Northern Lights (featuring Ian Anderson on flute)
Good old Days
Nach der Umbaupause gab’s die italienischen „Jethro Tull“: die Cover-Band Beggar’s Farm. Sie brachten ein ganz beachtliches Set mit Tull-Titeln, die man lange nicht live gehört hatte, so z. B.: „Back Door Angels“ und „Rover“ (leider schlecht gesungen von Silvia Perlini) allerdings auch „Budapest“ mit „Gaststar“ Clive Bunker.
Überhaupt gab’s während ihres
Auftritts ein wahres Potpourri an Musikern, die sich abwechselten - allein zwei
Flötisten (außer Ian) und zwei Sänger waren mit von der Partie. Der reguläre
Sänger ist wohl schwer krank (weshalb Glenn ihm diese Convention widmete).
Set-List Beggar’s Farm:*
Dark Ages
Sweet Dream
Back Door Angels
Rover (with Silvia Perlini)
Seal Driver (with Dave Pegg)
For a thousand mothers (with G. Cornick & C.Bunker)
Nothing is easy (with G. Cornick & C.Bunker)
Budapest (with C. Bunker, Lincoln on vocals)
Dieses illustre Aufgebot an Musikern wurde bei Ians Set noch
gesteigert. Insgesamt waren 5 Flötisten beteiligt. Außer den genannten noch
Tinkara und Andrea Griminelli !
Tinkara kam mir recht arrogant und
eingebildet vor. Im Duett mit Ians Doppelgänger, Giacomo Lelli, bei „Mother
Goose“ würdigte sie ihren Mitflötisten keines Blickes.
Vielleicht war sie aber auch
angesichts der hochkarätigen Konkurrenz einfach unsicher, da sie m. E.
die schwächste Vorstellung abgab.
(Abgesehen davon ist sie natürlich bildschön!)
Tinkara und Silvia Perlini durften Ian auch stimmlich unterstützen
(sehr schöne Version von Dun Ringill mit
Silvia).
Dave Pegg hat auch gesungen. Sein
gesamter Part hat mir besonders gut gefallen. Er ist einfach ein netter Kerl und
macht tolle Musik.
Setlist:*
Level Pegging (with I.A. &
Beggar's Farm)
Peggy's Pub (with I.A. & Beggar's Farm)
Swirling Pit (new arrangement) ( with I.A & Beggar's
Farm.)
Jack Frost and the hooded crow ( with I.A. & Beggar's
Farm)
Inzwischen saß ich übrigens alleine auf meinem Platz. Manni und Jörg hatten
es sich nach der Pause wohl an der Theke gemütlich gemacht, und Reinhard war
bei Ians zweitem Auftauchen schon mit der Kamera nach vorne gespurtet und hockte
für den Rest des Konzerts fotografierend dort am unteren Bühnenrand.
Ian war gut in Form und gut gelaunt, obwohl zwischen den Titeln dauernd gestöpselt und gestimmt werden musste – auch von ihm höchstpersönlich. Außerdem er war schlanker als 2005 trug kein Kopftuch - und er hatte eine Gitarre in normaler Größe dabei! So gab es sogar einen kleinen Überraschungseffekt.
Setlist:
Ian’s Set:*
Wond'ring aloud (with Tinkara &
Aldo)
Cheap Day Return / Mother Goose (with Tinkara &
Giacomo & Aldo)
Dun Ringill (with Silvia Perlini & Giacomo)
Griminelli's Lament (with Andrea Griminelli)
Bouree (with Andrea Griminelli)
My God (with Beggar's Farm)
Aqualung (with Tinkara &Beggar's Farm)
Locomotive Breath (with Beggar's Farm & all Guests)
Irgendwann nach den unvermeidbaren
„Aqualung“ und Locomotive Breath“ war Schluss, und ich
war vollkommen glücklich und zufrieden. Reinhard und ich wollten uns
eigentlich nur noch von Manni und Jörg verabschieden, da sagte Jörg: „Ich
glaube, ich gehe noch mal Backstage“. Nun ja, mir fehlte ja sowieso noch Ians
Autogramm auf dem Bild (Martin war ja leider nicht da). Wir gingen also Richtung
Vorhalle, wo das große Tor aber verschlossen war. Jörg kletterte über den
Zaun (Mannis Kommentar: „Jetzt lässt er wieder den Rock-Fan raushängen“),
wir drei nahmen das offene Tor ein Stück weiter...
Am Bühnenausgang hingen schon ein
paar interessante Leute herum. Ulla stellte uns Peggy und Clive vor und gab uns
die vielversprechende Information, dass Ian auch gleich auftauchen werde („in
5 Minuten“) und gut drauf sei. Zusammen mit einem netten Paar aus Leonberg
beobachteten wir nebenan die verschlossene Tür und warteten (ca. 30 Minuten)
gespannt, ob der große Meister uns denn erhören würde.
Schließlich kam er, signierte und
posierte und war nett und freundlich.
Ich war Ian gegenüber diesmal schüchtern.
Die beiden Male, die ich ihn vorher getroffen hatte, wollte ich ihn einfach nur
gerne begrüßen, und dabei fiel das Autogramm mehr so nebenbei auf’m Ticket
ab. Diesmal hatte ich was zum Signieren mitgebracht und kam mir als Autogramm-Jägerin
plötzlich ziemlich blöd vor. So war ich schnell wieder bei den anderen (wo war
eigentlich Manni abgeblieben?), und wir verabschiedeten uns bald.
Der Abend musste ohne uns
weitergehen. Wir hatten am nächsten Tag knapp 1000 km zu fahren und zogen
deshalb nun doch los zum Hotel.
Ich habe eine tolle Convention erlebt, zum ersten Mal (Laufi’s Forum sei Dank) Leute kennen gelernt, und zwar ausschließlich nette (!) und ein fantastisches
Konzert gesehen - und das alles in
familiärer Atmosphäre.