featuring
Ian Anderson (and Marco Laufenberg)
Sendetermin: Do. 23.03.2006
(von Birgit
Kurth-Mettner)
Sehr spät hatte ich mich entschlossen nach Hürth zu den NOB-Studios zu fahren und bekam eins der letzten Tickets. So etwas - Fernsehen (fast) von innen - hatte ich vorher noch nie mitgemacht, und ich musste mich von etlichen Vorurteilen verabschieden.
Wenn ich solche Sendungen
im TV sehe – was eigentlich nur vorkommt, wenn Ian/Tull auftritt - dann geht
mir der ganze Rest der Sendung ziemlich auf den Keks, und ich bin froh, wenn der
Auftritt früh drankommt. ‚Live’ war es dagegen interessant und kurzweilig
– und wenn’s nur darum ging, die Kameraleute oder die völlig geräuschlosen
Umbau-Menschen zu beobachten. (Während der Einspielungen der Chart-Platzierung
wurde hinter einer drehbaren Wand wirklich jedes Mal ein anderes Equipment
aufgebaut!) Die ganze Zeit hat man die komplette Bühne im Blick: links das Sofa
mit den Musik-„Experten“ und Moderator
Oliver Geissen, rechts den Bereich, wo die Live-Acts auftreten.
Es ist wie im Theater: man
bekommt hier nicht diese übertriebenen Großaufnahmen der Gesichter.
Die Akteure sind so klein wie du und ich und wirken allein dadurch schon viel
weniger aufgeblasen.
Naja, und dazwischen immer
wieder Marco als wandelndes Applaus-Schild...
Marco?
Meine natürliche
Abneigung gegen „Animateure“ und Ähnliches wurde völlig untergraben, weil
der Einheizer ‚unser’ Laufi war! Ich wusste diffus, dass er „beim
Fernsehen“ arbeitet, und als ich ihn vor der Show fragte, was er hier
eigentlich so macht, sagte er: "das wirst du gleich sehen." Und schon schnappte
er sich ein Mikro und belehrte die Leute im Foyer, was sie noch schnell
erledigen sollten, bevor sie sich zur Tribüne begeben. Dort werde man nämlich
drei Stunden bleiben müssen! Es
waren aber fast vier.
Leute wie ich müssen
Marcos natürlichen Feinde sein: die Minderheit der "das-mache-ich-nicht-mit-ist-mir-zu-blöd-Fraktion"!
Zum Glück saßen wir außerhalb seines Aktionsradius’ (und auch außerhalb
von dem der Kameras !). Er ist aber wirklich gut und schafft es, dass ich sogar
für „Sweet“ und die „Scorpions“ aufstehe und mitklatsche!
Eine weitere Überraschung
war, dass die Show fast 1:1 so ablief, wie sie wohl dann auch im Fernsehen zu
sehen sein wird. Jedenfalls wurde nichts wiederholt. Sogar die Werbepausen
fanden statt: Wir brauchten aber keine Reklame zu gucken; das Publikum wurde von
Marco bestens unterhalten, und die „Experten“ wurden gepudert.
Der zweite Fan auf
der Tribüne war Manni aus Blankenheim. Wir waren die einzigen aus dem Club.
Ohne seine Zusage wäre ich nicht hingefahren.
Tull waren auf der
Liste der besten Rock-Bands auf dem 19. Rang von 50. Es hatte was mit den Album-Plazierungen seit
1970 zu tun, wobei RTL bestimmt, was Rock ist und was nicht.
Ian kam gleich nach einer
Werbepause dran - natürlich „Locomotive Breath“. Er sang und flötete live,
die Band dahinter spielte astreines Playback. Ian's Stimme - naja wie
gehabt. Wir jubelten natürlich pflichtgemäß aber diesmal nicht erst auf
Marcos Aufforderung <gg>.
Jeder Star gab auf dem
Sofa ein kurzes Interview; Ian also auch, und - das war einer der Momente
der Show, die ich auch am Fernseher bestimmt klasse gefunden hätte - Oliver
Geissen rief Laufi zu sich, wo er kurz für ein Anekdötchen mit
Ian zusammen auf dem Sofa saß!
Der Höhepunkt der Show
war damit vorbei, und es wurde nun doch etwas lang. Zu meiner freudigen Überraschung
traten dann aber noch BAP auf, und ich war wieder hellwach!
Deep Purple belegten Platz
1. Danach war großes Finale, wo alle Stars zu irgendeinem
Deep-Purple-Schlaflied schunkeln mussten. Ian sah man an, dass er das ziemlich
albern fand - genau wie ich. Aber es war doch gut, denn so waren am Ende, als
alles sich langsam auflöste, die Stars noch eine zeitlang unten auf der Bühne
versammelt und unterhielten sich mit denen, die da rumhingen.
Manni ging auch gleich
runter. Zwar hatte ich vorsorglich Japan-CD-Hüllen sowie Filzstift mitgebracht,
aber die befanden sich natürlich in der Tasche, die ich an der Garderobe hatte
abgeben müssen. Die Schlange dort war riesig. Ich ging zurück ins Studio, und
keiner hinderte mich daran, zur Bühne zu gehen. Es liefen sowieso überall
Leute herum. Es war wahrscheinlich noch nie so leicht für einen einfachen Fan,
Ian Anderson zu treffen.
Manni kam mir schon ganz
glücklich mit zwei Autogrammen auf seinem Ticket entgegen. Aber ich sah Ian
nicht! Manni zeigte irgendwohin, aber ich sah ihn nicht. Ah, da stand er -
gerade im Begriff, sich von der Hostess (im seriösen Wortsinn) hinaus führen
zu lassen. Wie in Parma hielt ich ihn auf, und zwar mit der blöden Frage:
"Hi Ian, do you remember me?" Und während ich noch grinsend
fortfuhr: "You do not, of course!" sagte er höflich "Oh yeah!
How are you?" Ich hielt ihm schnell meinen streichholzschachtelgroßen
Abzug vom Foto von Parma vor die Nase, aber ich erkannte den typischen
Kopfrückzieher der Altersweitsichtigkeit (aus eigener Erfahrung) und mir war
klar, dass er nichts erkennen konnte. Die Hostess suchte schon nach ihm,
weil sie nicht mitbekommen hatte, dass er aufgehalten wurde. Also sagte er
nur noch "Sorry, I have to follow that Lady", verabschiedete sich
und war weg.
Ach ja, das Ticket hat er mir signiert.